Der Grund, warum gerade dieses Inserat meinen Unmut entfacht hat, ist etwas komplex. Nicht, dass mich die Grafik stören würde oder die auf das Minimum reduzierte Aussage, werbetechnisch sind die schon o.k., mich hat etwas anderes irritiert: Ausgerechnet am besinnlichsten aller Feiertage soll also unser Land in die Glotze äugen. Sich Chips kauend verlustieren mit irgendwelchen Plastikserien oder orwellschen Enthüllungs-Peinlichkeiten. Sind wir tatsächlich bereits dermassen sprach- und gedankenlos und von uns selbst gelangweilt, dass uns nur noch der grosse Bruder in Stimmung halten kann? «Weihnachten ist gerettet» verspricht das Inserat und symbolisiert die Verheissung mit einem Rettungsring. Wahrlich eine optimal reduzierte Headline. Und sie passt vorzüglich in den Kontext einer aufrüttelnden Meldung: Eine internationale Studie hat enthüllt, dass die Schweiz in Sachen schulische Bildung in der Rangliste der wichtigsten Industrienationen immer weiter nach unten rutscht und nur noch knapp im ersten Dutzend figuriert. Und unser Inserat reflektiert wohl bloss eine nicht nur betrübliche, sondern auch verhängnisvolle Entwicklung. Neil Postmans buch «Wir amüsieren uns zu Tode.» ist also alles andere als Schnee von gestern, sondern aktueller denn je. Jetzt sogar an Weihnachten.
|