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«KomKom» - Kommentar zur Kommunikation
31.08.2010
Zu viele Sender verderben den Brei…
Auf den ersten Blick könnte man es wohl als «Synergien nutzen» abtun. Auf den zweiten Blick macht es stutzig. Und auf den dritten liegt der Schluss nahe, dass das Schweizer Fernsehen einfach zu viele Kanäle hat und diese nun mit eigenartigen Inhalten füllt. Oder gibt es etwas öderes als Radio zu schauen? Abgesehen davon, dass man das via Webcam online machen könnte, ist es schlicht absurd, eine Radiosendung abzufilmen und diese dann im TV zu bringen. So passiert dies ja derzeit mit der «neuen Morgenshow von DRS 3», welche seit Montag auf SF 2 ausgestrahlt wird. Oder bereits etwas länger mit der Sendung «Nachtwach», die ebenfalls als gefilmtes Radio über den TV-Sender geht. Man kann natürlich mutmassen, hier werde sichtbar, was die Unternehmen SRG und SF unter Zusammenführung verstehen. Was es allerdings nur noch schlimmer werden liesse.

Jedenfalls liefern SRG und SF mit dieser «Radiomorgenshow am TV» einen Steilpass für eine politische Grundsatzdiskussion darüber, was der «Service Public» sein soll. Und was es braucht, diesen Auftrag umzusetzen. Und könnte obendrein in der Forderung gipfeln, einige Kanäle der SRG und von SF aufzugeben und diese dem freien Markt zuzuführen. Die Lokalradio-Sender würden sich über mehr und bessere Frequenzen freuen, die Werbauftraggeber über mehr Möglichkeiten Werbung zu schalten und damit natürlich die Agenturen über mehr Aufträge. Eine Mehrfach-Win-Situation. Ausser für die «Staatssender», welche Federn lassen müssten. Dies allerdings könnte eben in einer Service-Public-Diskussion teilweise wieder aufgefangen werden. Etwa, indem man sagt, die staatlichen Sender erhalten höhere Gebühren – für einen klar definierten Auftrag, der heutige ist eindeutig zu schwammig –, dafür keine Werbung mehr. Oder nur noch zu stark reduzierten Sendezeiten. Und dann könnte sich die Politik auch gleich überlegen, ob es nicht gerecht und sinnvoll wäre, eine Harmonisierung der Mediengesetzgebung anzugehen. Damit nicht in einigen Medien beispielsweise politische Werbung oder Werbung für Spirituosen etc. betrieben werden darf; in anderen aber nicht.

Es gibt in der Medienpolitik – das zeigt diese Radio-TV-Morgenshow schön auf – einiges zu bereinigen. Und aus Sicht der kommerziellen Kommunikation wäre diese Klärung schon lange fällig.

Der umgekehrte Weg, die Werbung auf der ganzen Linie für alle zu öffnen und im Gegenzug die Gebühren abzuschaffen, wäre mit weniger Regelungsbedarf verbunden, was grundsätzlich zu begrüssen wäre, würde aber für einige Player mehr «Federn lassen» bedeuten. Aber dieser Weg ist durch das aus marktwirtschaftlich liberaler Sicht unsinnige Gebührensplitting derzeit verbaut.
Urs Schnider


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