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Newsartikel
17.05.2009
84. Mitgliederversammlung der SW in Chur

Alles was in der Kommunikationsbranche Rang und Namen hat, war zur 84. Mitgliederversammlung nach Chur gereist und erlebte einen anregenden Nachmittag, der dem Motto «Sympathie und Engagement» durchaus gerecht wurde. Im Zentrum standen in erster Linie die bedrohte Werbefreiheit sowie die Fragen der Nachfolge im Verband. Evelyne Widmer-Schlumpf wünschte sich in ihrer Grussbotschaft des Bundesrates von den Medien mehr Verantwortungsbewusstsein.
 
Bundesrätin Evelyne Widmer-Schlumpf.
Gaudenz Thoma, Direktor Graubünden Ferien, fühlte sich sichtlich wohl unter den rund 130 Werbern, die erfreulich zahlreich zur 84. Mitgliederversammlung der Schweizer Werbung nach Chur gereist waren. Mit sympathischen Worten und einem Film präsentierte er die unbestrittenen Vorzüge seines «Produktes». Hauptfigur in der Werbung für Graubünden ist seit 2007 das Wappentier Steinbock, dessen Akzeptanz Thoma als aussergewöhnlich pries. Die Kampagne ist zwar nicht in Chur, sondern bei der Zürcher Agentur Jung von Matt entstanden, wird aber gleichwohl von Einheimischen und Konkurrenten gelobt. Und sie soll noch für einige Zeit eingesetzt werden.

Schulterschluss im Kampf für Werbefreiheit
Weniger optimistisch dann die Ausführungen des Verlegers Hanspeter Lebrument, der die zunehmend schwieriger werdenden Rahmenbedingungen in Form von Werbeverboten für die Medien kritisierte. Der Präsident des Verbandes Schweizer Presse zeigte sich aber gleichzeitig befriedigt über den Umstand, dass es in letzter Zeit gelungen ist, im Rahmen des Forums Freie Kommunikation vermehrt Verbände der Kommunikation an einen Tisch zu bringen, um der drohenden Gefahr gemeinsam entgegenzutreten. «Es kann nicht sein, dass die kommerzielle Kommunikation zunehmend durch gesetzliche Bestimmungen im supranationalen und nationalen Bereich eingeschränkt wird», meinte Lebrument. Er schloss mit der vagen Hoffnung, dass die gegenwärtige schlechte wirtschaftliche Situation dazu beitrage, die Verbotswelle einzudämmen, denn schliesslich sei Werbung ja ein Instrument, welches helfe die Wirtschaft in Gang zu halten und damit Arbeitsplätze zu sichern.

Tagesmoderator Michel Gammenthaler, der die Versammlung mit viel Charme, Witz und einigen verblüffenden Zaubertricks untermalte, bat anschliessend SW-Präsident Carlo Schmid ans Rednerpult. Schmid eröffnete seine Ansprache mit einem Blick zurück ins 17. Jahrhundert und verglich die Politik von früher und heute: «Verglichen mit damals sind die Parteien-Scharmützel in der heutigen Schweizer Politik harmlos wie Kinderlieder. Und die verbalen Auseinandersetzung mit gewissen ausländischen Politikern und internationalen Organisationen wirken vor diesem historischen Hintergrund eher neckisch», meinte Carlo Schmid.

Keine SW-Initiative für nationales Gesetz
Als entschieden weniger neckisch betrachtet der SW-Präsident allerdings die aktuelle Politik, welche mit ihrer Verbotsmentalität ein echtes gesetzliches Durcheinander und eine entsprechende Rechtsunsicherheit provoziert habe. In diesem Zusammenhang habe man sich bei der SW die Frage gestellt, ob es nicht sinnvoller wäre, ein nationales Gesetz anzustreben, welches dem Genfer Modell entspricht. Die SW hat deshalb den Staatsrechtsprofessor Felix Uhlmann mit der Ausarbeitung einer entsprechenden Expertise beauftragt. Uhlmanns Fazit: «Der Bund wäre verfassungsrechtlich durchaus berechtigt, Bestimmungen über die Werbung zu erlassen.» Dennoch hat sich die SW entschieden, diesen Weg nicht weiter zu verfolgen. Und zwar aus zwei Gründen: «Die Stimmung im Parlament spricht im Moment eher nicht zugunsten unserer Anliegen. Und, als Landammann eines liberalen Kantons, der bisher keinerlei Einschränkungen kennt, hätte ich überdies grosse Bedenken, denn ein eidgenössisches Regelwerk würde ja dann in jedem Fall einschneidender sein als die gegenwärtige Situation in meinem Kanton.»

Schmid erwähnte anschliessend all jene Gremien, in welchen sich die SW zum Schutze der Werbefreiheit engagiert. Neben dem Forum Freie Kommunikation und der Allianz für massvolle Präventionspolitik, nannte er auch den Runden Tisch, der erstmals versucht, die Industrie vermehr in die Aktivitäten einzubinden.

Schmids Nachfolger: Filippo Lombardi
Vor der eigentlichen Traktandenliste widmete sich Carlo Schmid der Nachfolgeregelung bei der SW. Er selbst wird sein Amt anlässlich der Mitgliederversammlung 2010 abgeben. Schmid zeigte sich erfreut darüber, dass sein potentieller Nachfolger, Ständerat Filippo Lombardi, eingewilligt hat, den Vorsitz des Verbandes zu übernehmen. Erster Schritt zu diesem Wechsel stellte die mit Akklamation erfolgte Wahl von Lombardi in den Vorstand der SW dar. Für die Geschäftsleiterin, Monika Luck, welche ihren Posten auf Ende 2009 verlässt, ist noch keine Nachfolge gefunden worden. Dafür steht für den im Laufe des Jahres ebenfalls ausscheidenden Beauftragten für Kommunikation, Piero Schäfer, bereits ein Kollege in den Startlöchern. Es ist der in der Branche bestens bekannte, bisherige Chefredaktor des Magazins Media Trend Journal, Urs Schnider.

Die Traktanden erledigte Carlo Schmid in gewohnt virtuoser Weise. Was angesichts der Tatsache, dass sämtliche Punkte einstimmig erledigt werden konnten, nicht weiter erstaunte. Einzig bei Punkt 7 und 8, den Traktanden «Rücktritte» und «Neuwahlen», verweilte der Präsident etwas wortreicher.

Schmid verabschiedete die scheidenden Vorstandmitglieder Norbert Neininger (Medien), Thomas Bargetzi (Auftraggeber), Peter Leutenegger (Werbeagenturen) und Jakob Nef (Direct Marketing). Die beiden Letzteren würdigte er besonders. Zum Dank für ihre langjährigen Verdienste erhob er sie zu Ehrenmitgliedern der SW. Wie alle, die in Chur von der SW geehrt wurden, erhielten die beiden einen Wanderwegweiser mit ihren Namen.

Vor der Pause berreichte Andreas Herbst von Terre des hommes der Firma Miele AG und dem Zoo Basel den Child Guardian 2009. Die Auszeichnung für mustergültige Werbung mit Kindern, welche von TdH und der SW gemeinsam ausgeschrieben wird, wurde bereits zum dritten Mal vergeben.

Lautere Werbung für Graubünden
Nach einem ausgedehnten Apéro im Hof des historischen Lokals Marsöl überbrachte Regierungsrat Martin Schmid eine launige Grussbotschaft des Kantons Graubünden. Schmid freute sich, dass die Werbebranche ihre Mitgliederversammlung in Chur durchführte. Auch er unterstrich die Bedeutung freier Kommunikation. Verbote seien wenig geeignet für wirtschaftliche Entfaltung, und vor allem sei es sehr schwierig, bestehende Verbote aufzuheben. Als Beispiel nannte der Regierungsrat das bis 1925 geltende Fahrverbot für Automobile im Kanton Graubünden. Es habe zehn Abstimmungen gebraucht, um dieses Verbot aufzuheben. «Das hilft natürlich dem Tourismus ungemein», meinte Schmid, «sonst müsste man sich heute noch mit Kutschen behelfen.» Auch der Kanton Graubünden sei auf Werbung angewiesen, um im Gespräch zu bleiben. Der Steinbock, der erst 1920 wieder im Kanton angesiedelt worden ist, habe sich als sympathischer Werbeträger etabliert und so die Marke Graubünden positiv entwickelt. Graubünden sei der erste Kanton gewesen, der solche Marketinganstrengungen ins Regierungsprogramm aufgenommen habe. Schmid schloss mit der Bemerkung, dass es mit Werbung allein nicht getan sei, es komme vielmehr auf die Leistung an. Und unter Leistung könne man auch den Anspruch an Lauterkeit verstehen, denn letztere zahle sich langfristig zweifellos aus. Und die Werbung für Graubünden entspreche diesem Prinzip unbedingt, das merke man, wenn man ein paar Tage im Kanton verbringe.

Vertrauen bewirkt Offenheit für Botschaft
Als Höhepunkt des Nachmittags trat dann Bundesrätin Evelyne Widmer-Schlumpf auf das Podest. Sie begrüsst die VertreterInnen der «faszinierenden Branche» der Kommunikation. Ihre Ausführungen begann sie mit der Frage, ob in der Schweiz die Werbung und die Medien auf der Höhe ihrer Verantwortung seien. In diversen Studien seien die Medien bei der Frage der Vertrauenswürdigkeit in der Bevölkerung weit hinten anzutreffen, sogar hinter dem Parlament und dem Bundesrat. Das erfülle sie als Bürgerin, als Medienkonsumentin aber auch als Politikerin mit Sorge. Dieses Rating müsse zweifellos auch den Werbern zu denken geben, denn schliesslich seien die Medien die wichtigsten Transporteure ihrer Botschaften. Sie rief die Werber auf, die Verlage zu motivieren, stärker als bisher dem Vertrauen der Leser und Zuschauer Beachtung zu schenken. Drei Punkte seien dabei zu beachten: Der Konsument darf nicht unterschätzt werden, die Medien haben als vierte Gewalt eine Verantwortung gegenüber dem Staat und drittens: Qualität geht vor Spektakel. Die Bundesrätin zeigte die ihrer Meinung nach nicht selten vorkommenden Unzulänglichkeiten in der Medienarbeit auf und stellte fest, dass die Qualität der Medien der Schlüssel für Erfolg sei. Ihre Konklusion, die sie als Milchbüchleinrechnung bezeichnete: «Habe ich Vertrauen in die Trägerin, habe ich tendenziell auch mehr Offenheit gegenüber Botschaften.»

Die Fotos finden Sie unter: Lautundspitz.ch oder unter events.foto-shootings.ch
Version française: Communiqué de presse
Piero Schäfer

 

 

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