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Bundesrat Samuel Schmid bei seinem Referat.
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Spielcasinos scheinen eine grosse Anziehungskraft zu haben: Zur 83. Mitgliederversammlung in Luzern hatten sich über 200 Personen angemeldet. Soviele wie kaum je zuvor. Unter ihnen auch Gastreferent Samuel Schmid. Der Vorsteher des VBS unterhielt die Anwesenden mit einer launigen Rede, die ihn als profunden Kenner der Kommunikation auszeichnete. Er nahm Bezug auf die Befürchtungen der Branche, welche er für unnötig hält: «Angst vor einem Grounding der Werbung Schweiz scheint mir übertrieben», sprach er den Anwesenden Mut zu. Es gehe der Branche ja angesichts der 85'000 Beschäftigten und 5 Milliarden Franken Werbaufwand hervorragend. Die Werbung sei das eigentliche Schmiermittel unserer Wirtschaft. Schmid bedankte sich bei den Werbern für ihre Arbeit, sie könnten im Wettstreit der Genialität durchaus mithalten.
Neben Lob gab es auch eine kleine Relativierung. Der Werbeslogan des Automobils, das Schmid privat fahre, laute: «Welche Fragen sich Ihnen im Laufe des Tages auch stellen mögen, die neue BMW 5er-Limousine bietet eine Antwort darauf.» Ihm stellten sich allerdings viele Fragen, und sein Auto habe ihm beispielsweise nie beantworten können, welches neue Kampfflugzeug er für die Armee anschaffen soll, meinte Schmid schmunzelnd und erntete viel Applaus. Er ermahnte deshalb die Werber, nur das zu versprechen, was ein Produkt letztlich auch halten könne.
Der Bundesrat nahm noch Bezug auf die Initiative «Volkssouveränität statt Behördenpropaganda». Es könne doch nicht sein, dass ein wichtiger Akteur der über besondere Fachkenntnis verfügt, von der öffentlichen Diskussion ausgeschlossen würde. Die Zeit sei vorbei, als Mitte des letzten Jahrhunderts nach einer Bundesratssitzung jeweils folgende Notiz am Journalistenzimmer aufgehängt wurde: «Über die heutige Bundesratssitzung gibt es nichts zu berichten.» Der Bundesrat habe gemäss Verfassung (Art. 10) die Öffentlichkeit zu informieren.
Kritik am Vorgehen des BAG
Auch SW-Präsident Carlo Schmid-Sutter widmete einen grossen Teil seines Referates der Information. Nach einem geschichtlichen Exkurs über die Spielcasinos, stellte Schmid Vergleiche zwischen dem Betrieb an den Spieltischen und der Politik her. Im Gegensatz zu den zufälligen Abläufen im Casino habe man im politischen Alltag freilich die Möglichkeit, Entscheidungen zu beeinflussen. Und solche stünden auch in Bereichen, welche die Branche direkt betreffen, demnächst bevor. Schmid informierte über die diversen Nationalen Programme des BAG, welche in ihrem Katalog zur Prävention allesamt Einschränkung der Kommunikationsfreiheit vorsähen. Er kritisierte in erster Linie das Vorgehen des BAG, weil die rechtlich auf tönernen Füssen stehenden Nationalen Programme ohne Mitwirkung der betroffenen Branchen realisiert werden sollen.
Nach längerer Inaktivität macht sich jetzt aber Widerstand der Wirtschaft bemerkbar: Im Herbst hat sich ein Komitee gebildet, dessen Mitglieder in Stellungnahmen ihr Missbehagen über die Nationalen Präventionsprogramme formulieren, und auch politisch regt sich Opposition: Nationalrat Markus Zemp habe eine Interpellation eingereicht, in welcher der Bundesrat aufgefordert wird, Stellung zum Vorgehen des BAG zu nehmen.
Misstände im Mediamarkt
Massnahmen sind aber nicht nur auf politischem Parkett, sondern auch innerhalb der Werbebranche nötig: Erstmals hat mit Carlo Schmid jemand die Missstände im Mediamarkt angeprangert, in welchem eine generelle Intransparenz herrsche: «Es gibt mehrere Rabattierungsmodelle, und nicht immer wird der BSW-Grundsatz "Alle Kommissionen und Rabatte werden den Kunden erstattet“, beherzigt», kritisierte Schmid. Es sei Zeit, Schritte einzuleiten, um diesem unhaltbaren Zustand ein Ende zu bereiten. Schmid warnte, dass man sonst Verhältnisse wie in Deutschland riskiere, wo inzwischen bereits die Staatsanwaltschaft wegen Veruntreuung, Bestechung ja sogar wegen Betrugs ermittle.
Inzwischen ist eine Arbeitsgruppe gebildet worden, zu welcher neben der Schweizer Werbung auch die Schweizer Presse, der BSW, der VSW, Publisuisse, SWA und APG gehören. Dieses Gremium soll Massnahmen diskutieren, um eine Eskalation zu verhindern. Als Fernziel könnte beispielsweise ein SW-Siegel oder Zertifikat für jene Mediaagenturen geschaffen werden, welche sich einem Audit durch die Auftraggeber bezüglich Rabatte unterziehen.
Neue Vorstandsmitglieder
Der statutarische Teil der Mitgliederversammlung stand unter dem Zeichen von Ersatzwahlen. Aus diversen Gründen sind die fünf langjährigen Vorstandsmitglieder Henri Robyr, Albert P. Stäheli, Otto Meier, Claudio Rollini und Diego Bally zurückgetreten. Neu gewählt worden sind: Michael Waldvogel (ASW), Michel Repond (FRP), Hans-Peter Hess (Auftraggeber), Norbert Neininger (Presse) und Thomas Bargetzi (Auftragnehmer). Carlo Schmid verabschiedete die bisherigen Vorstandsmitglieder und hiess die neuen nach deren problemlosen Wahl willkommen im Gremium der SW. Zweites wichtiges Ereignis an dieser MV: Die Anwesenden hiessen ohne Diskussion und Gegenstimme eine Erhöhung der Mitgliedschaftsgebühren gut.
Wie weiter beim Sawi?
Mehr zu diskutieren (jedenfalls an den Tischen) gab eine überraschende Erklärung von Carlo Schmid: Anlässlich der Mitgliederversammlung des Sawi, welche am Morgen ebenfalls im Casino stattgefunden hatte, wurde die SW als wichtigste Trägerin des Sawi in Frage gestellt, weil sie sich mit der aktuellen Situation am Lehrinstitut nicht einverstanden erklären kann. Aufgrund der Ereignisse an der MV des Sawi wird sich die SW deshalb über das weitere Vorgehen Gedanken zu machen haben. Der Verband wird zu gegebener Zeit informieren.
Piero Schäfer
Rede von Bundesrat Samuel Schmid unter:
www.vbs.admin.ch/internet/vbs/de/home/documentation/reden/liste/detailspeech.18510.nsb.html
Bilder vom Tag der Werbung unter:
marketingmall.ch/c/MK/Szene/BilderGallerie/tabid/134/Default.aspx
?dir_name=1200147563
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